19
Februar
2014

Kältemittel erhitzt die Gemüter

Kältemittel erhitzt die Gemüter

„R1234yf" – das ist kein Passwort für ein Online-Konto. Diese Zahlen- und Buchstabenkombination steht für ein Kältemittel. Das wiederum lässt viele Feuerwehrleute nicht kalt. Im Gegenteil, es erhitzt die Gemüter. Seitdem „R123yf" in vielen Klimaanlagen verwendet wird, „sind wir bei Einsätzen rund ums Auto vorsichtiger geworden", versichert Wehrführer Günter Weide. Und Christoph Schöneborn, Geschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in NRW, pflichtet ihm bei: „Das Thema ist sensibel."

Das Kältemittel „R1234yf" schädigt die Umwelt deutlich weniger als das bisher verwendete Kältegas. Aus diesem Grunde hat sich die EU auch für den Einsatz dieses Mittels eingesetzt. Aber: Wenn das Auto brennt, werden „alarmierende Mengen von Fluorwasserstoff (HF) freigesetzt", heißt es in einem Bericht der Deutschen Umwelthilfe. Damit nicht genug: Wenn bei einem Unfall Schäden an den Leitungen der Klimaanlage auftreten und das Gas ausströmt, können die Insassen, aber natürlich auch die Einsatzkräfte gefährdet werden. Und: Wenn Insassen aus dem Auto befreit werden, könnten die Leitungen Schaden nehmen und das Gas würde austreten. Dann würden erst recht die Retter und möglicherweise Schaulustige in Mitleidenschaft gezogen.

„Man muss die Gefahren nicht überbewerten, aber man sollte sie auch nicht bagatellisieren", umschreibt Christoph Schöneborn den Umgang des Landesfeuerwehrverbandes mit dem Thema. Das Risiko sei beherrschbar, aber man müsse sich bewusst sein, dass es ein Risiko gebe. Die Feuerwehr habe mit einem Merkblatt, das an alle Wehren gegangen sei, auf die Diskussion um das umstrittene Kältemittel reagiert. Aber: „Man kann nicht alle Einsatzgrundsätze im Kopf haben – es werden immer mehr", so Schöneborn.

Dem pflichtet auch Lüdinghausens Wehrführer Günter Weide bei. Und: „Wir wissen nicht, in welchen Fahrzeugen sich das neue Kältemittel befindet." Sein Wunsch wäre es, wenn es eine Liste gäbe, in der die Autos mit dem umstrittenen Gas verzeichnet wären. So gibt es zwar mittlerweile eine Unfallrettungskarte, die Besonderheiten des jeweiligen Fahrzeuges auflistet und die man sich als ADAC-Mitglied aus dem Internet herunterladen und hinter der Sonnenblende deponieren kann. Darauf seien die Kältemittel allerdings noch nicht verzeichnet. Für die Wehr gilt: „Wir sind auf jeden Fall vorsichtiger geworden." So werde mittlerweile bei Pkw-Bränden – im vergangenen Jahr gab es rund zehn solcher Einsätze – immer Atemschutz angelegt. Außerdem werde strikt darauf geachtet, dass sich Schaulustige außerhalb des Brandrauchs befänden. Das gelte auch für die eigenen Einsatzkräfte. „Problematisch wird es allerdings, wenn wir noch nicht vor Ort sind", so Weide. „Wir fühlen uns in dieser Angelegenheit alleine gelassen", bringt der Feuerwehrchef die Sorgen der Wehr auf den Punkt.

Übrigens: Dass mit „R1234yf" nicht zu spaßen ist, verdeutlicht die Tatsache, dass Hersteller Honeywell in seinen Datenblättern der Feuerwehr das Tragen von Chemikalienschutzanzügen empfohlen hat. Nachdem das Mittel in die Diskussion geraten ist, fehlt allerdings dieser Hinweis auf den Datenblättern. . .

Text/Link: Westfälische Nachrichten

Kategorien: Automobilindustrie

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