+++ UPDATE +++
UPDATE – Neue Erkenntnisse der Bundespolizei
Nach Abschluss unseres Einsatzberichtes hat die Bundespolizei weitere Erkenntnisse zu den Hintergründen des Einsatzes veröffentlicht.
Demnach öffnete sich während der Fahrt eine Tür im hinteren Bereich des ICE 528. Die bisherigen Ermittlungen der Bundespolizei haben ergeben, dass die Notentriegelung dieser Tür betätigt worden war. Aus welchen Gründen dies geschah, ist weiterhin Gegenstand der laufenden Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion Würzburg.
Die umfangreichen Suchmaßnahmen entlang der Strecke und im Tunnel verliefen ohne Feststellung. Durch die eingeleitete Gefahrenbremsung wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand verletzt.
Nach Abschluss der Suchmaßnahmen wurde der ICE nach Lohr am Main gebracht. Dort führte die Bundespolizei mit Unterstützung weiterer Polizeikräfte bei rund 120 Reisenden aus dem betroffenen hinteren Zugteil weitere polizeiliche Maßnahmen durch.
Die Sperrung der Schnellfahrstrecke konnte in der Nacht aufgehoben werden. Nach Angaben der Bundespolizei waren insgesamt 125 Züge von den Auswirkungen des Einsatzes betroffen. Zu Zugausfällen kam es nicht.
Hinweis: Der nachfolgende Einsatzbericht schildert den Einsatz aus Sicht der Kreisbrandinspektion Main-Spessart und auf Grundlage des zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorliegenden Kenntnisstandes.
Main-Spessart. Eine technische Störung an einem ICE hat am Dienstagabend einen umfangreichen Einsatz auf der Schnellfahrstrecke im Landkreis Main-Spessart ausgelöst. Rund 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Deutscher Bahn waren über mehrere Stunden im Einsatz. Rund 230 Reisende befanden sich an Bord des Zuges. Neben der Betreuung der Fahrgäste waren umfangreiche Maßnahmen entlang der Bahnstrecke erforderlich. Dabei kamen unter anderem Drohnen, ein Polizeihubschrauber, Rettungshunde und der Rettungszug der Deutschen Bahn aus Würzburg zum Einsatz.
Gegen 19:57 Uhr wurden die ersten Einsatzkräfte zu einem Ereignis auf der Schnellfahrstrecke alarmiert. Während der Fahrt war es zu einer technischen Störung an einem ICE gekommen. Der Zug kam daraufhin im Bereich des Schönraintunnels zum Stehen.
Aufgrund der zunächst unklaren Situation wurde frühzeitig ein entsprechend großer Kräfteansatz vorbereitet. Zahlreiche Feuerwehren aus dem Landkreis Main-Spessart, Einheiten des Bayerischen Roten Kreuzes, Kräfte von Polizei und Bundespolizei sowie Verantwortliche und Spezialkräfte der Deutschen Bahn wurden in den Einsatz eingebunden.
Einsatzkräfte direkt im Zug
An Bord des ICE befanden sich rund 230 Reisende sowie acht Mitarbeiter der Bahn. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Bayerischem Roten Kreuz begaben sich direkt in den Zug. Das Bayerische Rote Kreuz stellte dabei insbesondere die Betreuung der Reisenden sicher.
Die Lage auf der Schnellfahrstrecke stellte die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Einsatzstellen auf Bahnstrecken sind häufig nur über bestimmte Zugänge erreichbar. Hinzu kommen teilweise große Entfernungen, schwer zugängliches Gelände und im konkreten Streckenabschnitt zahlreiche Tunnel.
Gleichzeitig mussten verschiedene Maßnahmen innerhalb des Zuges, an der Strecke und an den Tunnelportalen koordiniert werden. Hierfür arbeiteten die verschiedenen beteiligten Organisationen eng zusammen.
Umfangreiche Maßnahmen entlang der Bahnstrecke
Parallel zur Betreuung der Reisenden liefen umfangreiche Kontroll- und Suchmaßnahmen entlang des zuvor vom ICE befahrenen Streckenabschnitts.
Hierfür wurden sowohl Einsatzkräfte am Boden als auch verschiedene technische Möglichkeiten eingesetzt. Zusätzlich kontrollierte ein Polizeihubschrauber Bereiche der Strecke aus der Luft. Dabei kam auch Wärmebildtechnik zum Einsatz.
Darüber hinaus wurden Rettungshundestaffeln in die Maßnahmen eingebunden. Insbesondere die einsetzende Dunkelheit, die Länge des zu kontrollierenden Bereichs und das teilweise schwer zugängliche Gelände entlang der Bahnstrecke machten die Arbeiten besonders aufwendig.
Die umfangreichen Suchmaßnahmen konnten im weiteren Verlauf ohne entsprechende Feststellung abgeschlossen werden.
Rettungszug aus Würzburg mit speziell geschultem Personal
Eine Besonderheit des Einsatzes war die Alarmierung des Rettungszuges der Deutschen Bahn aus Würzburg. Dieser wurde zur Einsatzstelle beordert und stand im weiteren Verlauf am Südportal des Schönraintunnels für die Einsatzmaßnahmen zur Verfügung.
Dabei handelt es sich keineswegs nur um einen Zug, mit dem Material zur Einsatzstelle transportiert wird. Bereits auf der Anfahrt befand sich speziell geschultes Personal an Bord. Zur initialen Besatzung gehörten mehrere Notärzte und medizinisches Fachpersonal sowie Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Würzburg.
Damit stehen bei einem Einsatz des Rettungszuges bereits während der Anfahrt qualifizierte Kräfte für die medizinische Versorgung und für feuerwehrtechnische Aufgaben zur Verfügung.
Die Rettungszüge sind speziell für Ereignisse auf Schnellfahrstrecken und insbesondere für Einsätze in Tunneln ausgerüstet. Mit ihnen können Einsatzkräfte, umfangreiche feuerwehrtechnische Ausrüstung, Löschmittel und medizinisches Material auf der Schiene direkt in die Nähe einer Einsatzstelle gebracht werden.
Gerade bei einem Ereignis in oder an einem mehrere Kilometer langen Tunnel ist diese Kombination aus Spezialtechnik, umfangreicher Ausrüstung und speziell geschultem Personal ein wichtiger Bestandteil des vorbereiteten Rettungskonzeptes.
Rund 300 Einsatzkräfte beteiligt
Die Dimension des Einsatzes zeigt sich auch an der Zahl der beteiligten Kräfte. Nach der abschließenden Stärkeübersicht waren insgesamt 292 Einsatzkräfte in die Maßnahmen eingebunden.
Davon entfielen 115 Kräfte auf die Feuerwehr, rund 100 auf den Rettungsdienst und 37 auf die Polizei. Hinzu kamen rund 40 weitere Kräfte, unter anderem von der Deutschen Bahn und dem Rettungszug.
Innerhalb kurzer Zeit mussten damit nicht nur zahlreiche Einheiten an die Schnellfahrstrecke herangeführt werden. Parallel galt es, mehrere Einsatzabschnitte zu koordinieren, die Reisenden zu betreuen, Maßnahmen direkt im Zug durchzuführen und die umfangreichen Kontrollen entlang der Bahnstrecke zu organisieren.
ICE anschließend nach Lohr gebracht
Nachdem die erforderlichen Maßnahmen entlang der Strecke abgeschlossen waren und die Voraussetzungen für das weitere Vorgehen geschaffen werden konnten, wurde der ICE im weiteren Verlauf zum Bahnhof Lohr gebracht.
Dort wurden die weiteren Maßnahmen insbesondere durch Polizei und Deutsche Bahn fortgeführt. Für Feuerwehr und Rettungsdienst konnten die Einsatzmaßnahmen anschließend schrittweise zurückgefahren werden.
Der außergewöhnliche Einsatz zeigte einmal mehr, wie wichtig vorbereitete Einsatzkonzepte und die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen bei Ereignissen auf der Schnellfahrstrecke sind. Trotz des großen Kräfteansatzes und der verschiedenen parallel laufenden Maßnahmen funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen reibungslos.
Die Kreisbrandinspektion Main-Spessart bedankt sich bei allen eingesetzten Feuerwehren sowie den Kräften des Bayerischen Roten Kreuzes, der Polizei und Bundespolizei, der Deutschen Bahn, der Berufsfeuerwehr Würzburg und allen weiteren Beteiligten für die professionelle und gute Zusammenarbeit bei diesem außergewöhnlichen Einsatz.















